Visualize the unknown

„Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“

ist ein bekanntes Zitat und kennen tut es wohl jeder. Aber sind wir uns der Idee, die dahinter steckt, wirklich bewusst? In vielen beruflichen Domänen ist die textuelle Repräsentation von Sachverhalten immer noch vorherrschend, obwohl die Visualisierung desselben mit Sicherheit Missverständnisse abbauen oder gar nicht erst entstehen lassen würde. Versteht mich bitte nicht falsch, natürlich ist Text wichtig. Oft wird man sich bestimmter Zusammenhänge erst gewahr, wenn man seine Gedanken niederschreibt und sortiert.

Aber es gibt viele berufliche Situationen, in denen die Visualisierung eines Sachverhalts, einer Idee, eines Gedankens enorme Vorteile hat. Als Ingenieur, der sich viel mit Geschäftsprozessen auseinandersetzt, denke ich natürlich sofort an die BPMN, mit der sich schlackenfrei prozessuale Zusammenhänge darstellen lassen. Versucht mal den Prozess in der Abbildung 1 mit Worten zu beschreiben und fragt Euch anschließend, ob Dritte den Text wieder in das gleiche Prozessmodell zurückführen könnten. Vermutlich werden sich da schon die ersten Differenzen auftun.

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Figure 1: Ein einfaches BPMN-Modell

Es geht aber nicht nur um die Visualisierung eines Sachverhalts, sondern auch um das Entdecken neuer Prozessideen. Die digitale Transformation kann nur gelingen, wenn wir Bestehendes hinterfragen und uns Gedanken machen, wie das Neue denn aussehen könnte. Vermutlich merkt Ihr schon, dass das Neue möglichst unabhängig vom Alten entwickelt werden sollte. Zumindest dann, wenn wir von wirklich disruptiven Innovationen sprechen.

Die Disruption muss aber nicht gleich etwas für die Menschheit noch nie Dagewesenes sein, sondern kann etwas sein, was die Organisation, in dessen Kontext man sich bewegt, noch nicht gesehen oder angewendet hat. Mit den Möglichkeiten der Informationstechnik lassen sich beispielsweise die Formen der Zusammenarbeit – nach innen und nach außen – auf völlig neue Füße stellen. Wir müssen uns nur vor Augen führen, dass die Innovation immer in Form eines Prozesses oder einer Kombination von mehreren Prozessen daherkommt.

Mit der Visualisierung von Prozessideen schürft man nach dem Unbekannten und macht es sukzessive sichtbar, bis irgendwann aus der Idee eine konkrete Anwendung wird. In der frühen Phase der Idee-Entwicklung muss man nicht mit der BPMN arbeiten, aber sobald die Prozessidee konkrete Formen annimmt, sollte die Idee in eine Sprache übersetzt werden, die insbesondere die Integration der technischen Hilfsmittel in den Prozess erkennbar macht. Das ist der Moment, indem man der BPMN und dem prozessgesteuerten Ansatz nach Volker Stiehl besondere Aufmerksamkeit schenken sollte.

Darüber und noch vieles andere mehr blogge ich hier.


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